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Schulentwicklung als Herausforderung

Hans K., seit 20 Jahren Lehrer an verschiedenen Schultypen

Schule bleibt Schule?


Wenn ich auf meine Anfangszeit als Lehrer zurück blicke, dann stelle ich doch fest, dass die Schulen, an denen ich tätig war und bin, in den jüngsten Zeiten einem ungleich erheblicheren Veränderungsdruck ausgesetzt scheinen, als das vor zwanzig Jahren der Fall war. Das geht bis hin zur Möglichkeit der Schließung oder Zusammenlegung einzelner Schulen.

Auf der anderen Seite wird dieser teilweise radikal anmutende Veränderungsdruck konterkariert durch das scheinbar unerschütterliche System der Schulkultur: Keine Chance auf ´Entschulung´, auf Überwindung der strukturellen Gewalt als Organisationsprinzip, der klassischen Schulkritik zum Trotz mit ihrem zentralen Vorwurf der Bildungsfeindlichkeit der Institution Schule.

Autonomie als Lösung?


Angesichts des Veränderungsdruckes und der gleichzeitigen Resistenz des Systems gegen pädagogisch motivierte Verbesserungen könnte man den Eindruck gewinnen, es gehe nur um den Machterhalt der Systemträger und um maximale Einsparungsmöglichkeiten. Pädagogische Kriterien, etwa der klassischen Tradition der Aufklärung entsprungene, wie Mündigkeit und Autonomie statt Gängelung und Fremdbestimmung, scheinen in der Schulentwicklung keine Rolle zu spielen.

Konstruktive Veränderungen werden sich aber kaum von oben verordnen lassen. Das führt höchstens zu Dienst nach Vorschrift. Wäre es da nicht zielführender und besser, auf die Eigeninitiative und Autonomie der SchülerInnen und LehrerInnen zu setzen? Könnte das vielleicht nicht nur die Motivation, sondern auch die Menschlichkeit der an der ´Zwangsinstitution´ Schule Tätigen fördern und erhöhen?

Ich habe das Glück gehabt, an einem einschlägigen Schulversuch teilnehmen zu dürfen, der mir nicht nur eine gewaltige Mehrbelastung eingebracht hat, sondern auch die Möglichkeit, innerhalb der damit betrauten Lehrergruppe Selbstbestimmung erfolgreich zu erproben, die bis hin zur selbst verantworteten Lehrfächerverteilung gereicht hat. Es erübrigt sich zu beklagen, dass man trotz positiver Evaluierung diesen Versuch im Sand verlaufen ließ. Rückblickend kann ich sagen, es waren nicht nur die arbeitsreichsten, sondern auch die schönsten Jahre meiner Unterrichtstätigkeit. Ich habe dabei eine Reihe neuer Impulse gewonnen, die für die Schulentwicklung von Bedeutung sein könnten.

Konstruktive Impulse


  • Demokratisierung: Das Lehrerkollegium erweist sich in den Gruppen als zur Selbstverwaltung fähig.
  • Kooperation: Pädagogische Partnerschaften innerhalb des Lehrerkollegiums können frei gewählt werden. Der fächerübergreifende Unterricht wird dadurch stark gefördert.
  • SchülerInnenautonomie: Die SchülerInnen erhalten ein breiteres Maß an Wahlmöglichkeiten und werden damit verstärkt in die Verantwortung genommen.
  • Direktion und Ministerium verstehen sich als ´Servicestellen´ zur Unterstützung der LehrerInnen.

Wenn das nicht Hoffnung macht, was dann?


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