>> Reportagen

10 goldene Tipps für (angehende) LehrerInnen

Silvia Hiebler

Als ich vor ca. 25 Jahren als junge Lehrerin in die Schule kam, begann für mich eine wunderbare Zeit. Ich war glücklich diesen Beruf gewählt zu haben und unterrichtete in vollkommener Unbekümmertheit. Schulalltägliche Arbeiten erledigten wir ohne viel Tamtam. Wir sprachen nicht von Leistungs- und Qualitätsstandards und von Evaluation. Wir betrieben keine systematische Schulentwicklung. Wir stellten einfache Diagnosen und handelten nach Gespür. Neuerungen entstanden spontan und wurden ohne große strukturelle Überlegungen umgesetzt. Unsere kollegiale Kooperation war wenig professionell, wenn sie stattfand, dann vorwiegend aus Gründen der Sympathie.


In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert. Die „Professionalisierungswelle“ hat auch die Schule erfasst. Mit neuen Regelungen, Verordnungen und Schulentwicklungstheorien versuchen Politiker und Wissenschaftler die Schule in dynamische und selbstverantwortliche Organisationen umzuwandeln, damit wir den Anschluss an die sich rasch verändernde Gesellschaft nicht verpassen. Rückblickend auf meine bisherige Tätigkeit durchlebte ich die unterschiedlichsten Formen und Phasen von Schule und Unterricht: Ich unterrichtete auf dem Land und in der Stadt, ich erlebte konservative und innovative, weibliche und männliche Schulleiter/innen, ich beschäftigte mich mit offenen und geschlossenen Curricula, mit der Montessoribewegung, Projektunterricht, äußerer und innerer Differenzierung, homogenen und heterogenen Leistungsgruppen/Klassen, Freiarbeit und mit dem Für und Wider von Multimediaunterricht. Ich evaluierte und arbeitete an Schulprogrammen mit!

Und mein Resumee daraus?

Ich gestehe - keine neuen Erkenntnisse und keine neuen Theorien, aber ein paar praktische Tipps, wie ich mich bis jetzt durch die „stürmische“ Schulentwicklungsszene Österreichs manövrierte.

Tipp 1: Machen Sie guten Unterricht

Engagieren Sie sich für schülergerechten und zeitgemäßen Unterricht. Unterrichten ist unsere Hauptarbeit. Hier kann man am meisten Energie gewinnen, aber auch verlieren. Setzen Sie viel Gespür und Sensibilität im Umgang mit den SchülerInnen ein. Vermeiden sie mittelmäßige Arbeit. Die SchülerInnen reagieren auf mittelmäßige Arbeit mit Mittelmäßigkeit und der entscheidende Funke wird nicht überspringen.

Tipp 2: Deregulieren Sie Ihr Lehrerbild

Die Deregulation beginnt im eigenen Kopf. Werfen Sie die kreativitätshemmenden Fesseln ab, die Ihnen die eigene und die schulische Erfahrung angelegt haben. Halten Sie nicht hartnäckig an veralteten Inhalten, Methoden und Regeln fest. SchülerInnen von heute wollen und brauchen andere Wissensvermittlungsformen als wir sie meist selbst erlebt und erfahren haben.

Tipp 3: Setzen Sie auf Teamwork

Bauen Sie sich ein professonielles Netzwerk mit Kontakten zu den besten LehrerInnen innerhalb und außerhalb der Schule auf. Das geht heute mit Hilfe der Neuen Medien sehr leicht. Brüten Sie nicht ausschließlich alleine über aufwendigen Unterrichtsideen. Die meisten Ideen wurden bereits von kreativen und querdenkenden LehrerInnen entwickelt. Nützen Sie diese Vorarbeiten und Ressourcen. Kommunizieren Sie!

Tipp 4: Halten Sie sich am Laufenden

Nehmen sie die Angebote zur Fortbildung wahr. Seien Sie Experte in ihrem Fach. LehrerInnen, die schülerrelevante Inhalte mit methodischem Geschick vermitteln, erreichen bei den SchülerInnen eben mehr Aufmerksamkeit. Sie können die SchülerInnen besser motivieren. Schulen Sie sich in Kommunikations- und Moderationstheorie und -techniken. LehrerInnen die gut kommunizieren können, haben es leichter.

Tipp 5: Betreiben Sie vernünftiges Zeit- und Arbeitsmanagement

Reduzieren Sie unnötige und über das normale Maß hinausgehende Arbeiten, wie das Herstellen von aufwendigen Lernmaterialien oder Marathon-Korrekturen. Es gibt gute Ideen, wie man sich besser und effektiver organisierten kann. In diesen Bereichen kann oft rationalisiert werden. Es geistern zu viele alte Denkmuster in den Köpfen der LehrerInnen, die den aktuellen Erkenntnissen der Wissensvermittlung und der Gestaltung von Lernprozessen nicht mehr standhalten!

Tipp 6: Bleiben Sie kritisch gegenüber, Inspektoren, Direktoren, Innovationsgurus ...

Hören Sie sich die Ideen an. Lehnen Sie nicht von vornherein ab. Machen Sie sich schlau und bedenken Sie, es gibt keine pädagogischen Heilslehren. Jede diese Lehren hat ihre Stärken. In welchem Ausmaß, in welcher Art die Umsetzung geschieht, hängt entscheidend von der Persönlichkeit des Lehrers und auch vom Schultyp und -umfeld ab. Heute ist die Methodenvielfalt gefragt. Die Erfahrung zeigt, dass die abwechslungsreiche Gestaltung des Unterrichts die effizienteste und zugleich für SchülerInnen die akzeptabelste ist.

Tipp 7: Machen Sie sich auf einem Teilgebiet für die Schule unentbehrlich

Spezialisieren Sie sich auf einem Gebiet! Das kann auch das eigene Hobby sein. Man kann heute – aufgrund der Vielfalt der pädagogischen Entwicklungen - nicht mehr auf allen Gebieten „up do date“ sein. Wenn man aber auf einem Sektor der Spezialist ist, dann schafft das persönliche Sicherheit und entlastet auf anderen Gebieten, wo dann jemand anderer der Guru ist - z.B. Schulfesteorganisierer; Kunstexperte, Fotograf, Theaterspieler, Chorleiter, Informatiker, Bibliothekar, Öffentlichkeitsarbeiter, Geldauftreiber, Elternvermittler,.....

Tipp 8: Analysieren Sie die Arbeitsweise Ihres Chefs

Wie arbeitet er, wie organisiert er, ist er ein Visionär oder besitzt er auch die Fähigkeit Ideen und Konzepte an der Schule praktisch umzusetzen? Überlegen Sie genau wofür und wie viel Zeit und Energie Sie für Schulentwicklungsprojekte investieren. Der Aufwand kann zur eigenen Professionalisierung genützt werden. Vergeuden Sie Ihre Zeit nicht mit Pseudoideen und unprofessionellen Leitern, es wird nichts herausschauen, außer Papier und Absichtserklärungen.

Tipp 9: Behalten Sie Ihren Humor und meiden Sie Energievampire

Humor und Geduld sind in der Schule unverzichtbar und noch etwas - identifizieren Sie die Energievampire – das sind KollegInnen, die an jeder Idee etwas auszusetzen haben. Ziehen Sie klare Grenzen und teilen sie diese auch mit.

Tipp 10: Denken Sie öfters an den Film „Club der toten Dichter“

Lassen Sie die SchülerInnen ab und zu auf den Tisch steigen, um andere Sichtweisen hautnah erleben zu können. Ermöglichen Sie unkonventionelle Unterrichtssituationen. SchülerInnen lieben das und sie werden es Ihnen danken.

nach oben